Untersuchung der regionalökonomischen Effekte eines Eishockeyvereins auf seine Standortregion

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen eines Sportvereins auf seine Standortregion rücken immer mehr in den Fokus von gesellschaftlichen wie auch politischen Diskussionen. Öffentliche Investitionen in professionelle Sportclubs werden oft damit begründet, dass lokale Sportteams durch Spillovereffekte positive Auswirkungen auf ihre Heimatregion erzeugen. Die vorliegende Untersuchung widmet sich daher der Bestimmung der regionalökonomischen Effekte, eines Schweizer Eishockeyvereins der höchsten Spielklasse auf seine Standortregion.

Autor:

Manuel Bernhard

In der Forschung lag bis anhin der Fokus vorwiegend auf Grossveranstaltungen wie Olympischen Spielen oder Fussballweltmeisterschaften. Regionale Studien, die den Einfluss eines lokalen Sportvereins auf seine Standortregion untersuchen, erhielten hingegen weniger Beachtung. Um diese regionalen Effekte zu messen, wurde die räumliche Inzidenzanalyse basierend auf einer Literaturrecherche als geeignete Methode zur Wirkungsmessung bestimmt. Anhand der Erkenntnisse aus Experteninterviews konnte die räumliche Inzidenzanalyse zudem spezifisch auf Sportvereine angepasst werden. Die qualitativen Stakeholderinterviews, die quantitative Zuschauerumfrage, die vom Verein zur Verfügung gestellten Daten zur Regionalisierung der Geldflüsse und die vom Verein durchgeführte Fanumfrage bilden die Datengrundlage für die Bestimmung der regionalökonomischen Effekte.

Basierend auf der räumlichen Inzidenzanalyse werden die tangiblen und intangiblen Effek-te auf die Standortregion des Eishockeyvereins untersucht. Dabei liegt der Fokus vorwiegend auf den tangiblen (monetären) Effekten. Intangible Effekte, wie beispielsweise der Imageeffekt, werden ausschliesslich von einer qualitativen Perspektive betrachtet und nicht monetarisiert. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird zudem ein Modell zur Durchführung der räumlichen Inzidenzanalyse bei Sportvereinen entwickelt.

Nach dem Konzept der räumlichen Inzidenzanalyse werden alle monetären Beziehungen erfasst, die eine Verbindung zum Untersuchungsobjekt (dem Sportverein) haben. Darauf basierend wird zum einen die regionale Kaufkraftinzidenz und zum anderen der Beitrag zur regionalen Wertschöpfung ermittelt. Dabei zeigt die Kaufkraftinzidenz auf, in welcher Höhe der Region Finanzmittel zufliessen und somit die Nachfrage in der Region stimuliert. Die regionale Wertschöpfung widerspiegelt den regionalen Wertzuwachs, welcher durch den Sportverein in der Standortregion entsteht.

Aufgrund der sportlichen Aktivitäten mit Spielen vor tausenden von Zuschauern haben Sportvereine einen hohen Kapitalumschlag. Daraus resultieren Geldflüsse in die Region des Clubs aber auch Geldflüsse, welche die Region verlassen. Um den ökonomischen Einfluss eines Sportvereins zu bestimmen, müssen die folgenden Schritte durchgeführt werden. In einem ersten Schritt werden alle Zahlungsströme, die in Verbindung mit dem Eishockeyverein stehen identifiziert und regionalisiert. In einem zweiten Schritt werden die Ausgaben der Veranstaltungsbesucher in der Region berücksichtigt. Dafür müssen die Zuschauer zusätzlich noch identifiziert und kategorisiert werden, um ihren regionalen Impact korrekt zu erfassen. Dazu werden zum einen Daten, die vom Verein zur Verfügung gestellt werden, analysiert und zusätzlich mit einer quantitativen Umfrage die noch fehlenden Informationen ge-sammelt. Sind diese Schritte abgeschlossen, gilt es die eruierten Effekte zusammenzutragen und allfällige Überwälzungen (Doppelzählungen) zu identifizieren und eliminieren. Schliesslich wird der regionale Multiplikator verwendet, um die Sekundäreffekte durch die erhöhte Nachfrage abzuschätzen. Im Endeffekt konnte eine positive Kaufkraftinzidenz im mittleren einstelligen Millionenbereich aufgezeigt werden. Die Untersuchung zur regionalen Wertschöpfung ergab einen Beitrag im Grössenbereich von ungefähr CHF 30 Millionen.

Bei der qualitativen Analyse der intangiblen Effekten wird unterschieden zwischen dem Imageeffekt, Struktureffekt, Kompetenzeffekt und dem Netzwerkeffekt. Diese Effekte wirken langfristig auf eine Region und lassen sich nur schwierig in Geldwerten messen. Die Untersuchung der intangiblen Effekten anhand von Stakeholderinterviews und einer Zuschauerumfrage ist zu folgenden Ergebnissen gekommen. Der untersuchte Eishockeyverein weckt viele positive Emotionen in der Bevölkerung und fördert dadurch den Zusammenhalt in der Gesellschaft und bietet eine gute Möglichkeit zur Beziehungs- und Netzwerkpflege. Durch seine Bekanntheit und die starke nationale Medienpräsenz ist der Eishockeyverein ein attraktiver Werbeträger. Auch in der Jugendförderung ist der Verein sehr aktiv und bietet den Junioren eine hervorragende Trainingsinfrastruktur mit gut ausgebildeten Trainern, wobei auch schulische und soziale Aspekte nebst den sportlichen Zielen nicht zu kurz kommen. Zudem wird auch das Image der Standortregion durch den Eishockeyverein positiv beeinflusst. Allfällige negative Effekte sind überschaubar. Die Stimmung während den Spielen ist mehrheitlich friedlich und sicher, was durch die Umfrage bestätigt wurde. Allfällige Lärmemissionen und Verkehrsüberlastungen an den Spieltagen halten sich ebenfalls in Grenzen und Stellen keine wesentlichen Probleme dar.

Abschliessend kann festgehalten werden, dass sich der untersuchte Eishockeyverein fest in seiner Standortregionen etabliert hat. Die Akzeptanz seitens der einheimischen Bevölkerung ist gross und die Assoziationen mit dem Verein vorwiegend positiv. Der Verein ist auch wirtschaftlich für den Kanton von Bedeutung, wie die Berechnung der Kaufkraftinzidenz und der Beitrag zur regionalen Wertschöpfung zeigen. Die Ergebnisse zeigen auf, dass der untersuchte Eishockeyverein für seine Standortregion nicht nur ein Sportverein, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, Attraktionspunkt und Imageträger ist.

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